Die leisen Dialoge

Die leisen Dialoge

Bild: KI-generiert

Vor Kurzem bekam ich ein schönes Feedback für eine Geschichte, in dem stand, der Leserin gefielen meine «leisen Dialoge». Dort habe sie die von mir erfundenen Personen mehr gespürt – oder wie sie sich ausdrückte: «… dort sagen sie mehr, als sie sagen.»

Ein schönes Kompliment. Aber wie schreibt man «leise Dialoge»?

Zuerst geht es darum, Atmosphäre zu schaffen. Zwei Personen einen Raum zu geben, in dem sie die Möglichkeit haben, mit schweigen mehr zu sagen als mit Worten. Das Bild ist sehr wichtig. Durch die beschriebenen Bewegungen der Akteure, können die Lesenden das Nichtgesagte wahrnehmen.

Wenn die eine Person beim leisen Sprechen ihre Hände knetet und es nicht wagt, ihrem Gegenüber in die Augen zu schauen, so spüren wir ihr Unbehagen. Starrt ihr Gegenüber sie unverhohlen an, mit dem ihr zugewandten Körper, aufrecht und mit offenem Blick, wünschen wir uns als Lesende bereits, mehr von den Worten zu erfahren, die den Mund der ersten Person verlassen.

In entsprechendem Setting reicht wenig Vorwissen und wir erfassen durch wenige Worte ganze Geschichten. Natürlich spielen uns gesellschaftlichen Normen und Klischees in die Hände. Wenn die erste Person in der vorgängig beschriebenen Haltung den Dialog beginnt, mit: «Anfangs war er sehr zuvorkommend…» Dann wissen wir ohne weitere Informationen, dass da ein «er» war, der die erste Person schlussendlich enttäuscht oder verletzt hat.

Die Kunst der Andeutung ist deshalb eine Herausforderung, weil es nicht darum geht, so wenig wie möglich zu schreiben, sondern den Lesenden so viel wie möglich zuzumuten. Ich werde verstanden, ohne zu erklären. Es reicht, die Voraussetzungen dafür zu schaffen. Eine kühne Vorgehensweise, aber sehr effektiv.

Als Lesende fühle ich mich durch weniger Worte besser verstanden, ich erkenne mich in den Situationen wieder und fühle mich den Akteuren mehr verbunden. Ausserdem fühle ich mich geschmeichelt, weil mir die Autorin oder der Autor zutraut, die Situation selbst erfassen zu können.

Sollten wir also viel zu erzählen haben – lasst uns mutig leise bleiben!

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